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Samstag, 5. April 2014
Das Wedding-Phänomen
Bisher kenne ich niemanden, der nach Wedding gezogen ist und nach dem Renovieren und Einrichten der Wohnung keine kleine Krise erlebt hat.

Die Wohnungssuche in Berlin ist schwierig. Jeder will nach Kreuzberg oder Neukölln und findet dann nur eine Wohnung in Wedding, die aber erstaunlich hübsch ist (Altbauwohnung) und man hört ja auch seit Jahren, dass Wedding im Kommen ist. Man hört immer mal wieder kleine Fetzen aus Wedding, die irgendwie vielversprechend klingen. Süßer versteckter Secondhandshop, Ateliers und Gallerien, Oldschool-Jazz-Kneipe, Stattbad Wedding, ..
Na jedenfalls zieht man dann dahin, weil man denkt, man könnte sich damit anfreunden. Vielleicht wirkt das manchmal etwas krampfhaft, doch die Leute sind neugierig oder zumindest alternativlos.

Man renoviert sich seine hübsche Wohnung, hat noch ganz viel Stress und dann ist man fertig und bricht zusammen. Beziehungen gehen kaputt, die Arbeit/Ausbildung etc. leidet, man fühlt sich leer, fragt sich warum, ..aber natürlich kommt niemand darauf, dass das irgendwas mit dem Kiez zu tun hat, mit dem bedrückenden Fremdheitsgefühl, dem traurigen Anblick der Alkis, den frustrierten Beschäftigten, die in Wedding arbeiten müssen oder in der U-Bahn nur genervte Spandauer, die den langen Weg zur Arbeit in der Innenstadt in Kauf nehmen müssen. Keine Musiker, denn das Einkommen lohnt dort nicht und keine Touristen, die zwar in anderen Bezirken in Massen nur auf Unbeliebtheit stoßen, dennoch etwas Leben mit sich bringen.

Das Leben muss neu gestaltet werden, ein Zurück gibt es nicht. Es muss etwas passieren, ..doch was?

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